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Josef Guggenmos

 

"Das Kind ist die Fülle der Zukunft"

 

Foto und © Dieter Schmidt

Bildbeschreibung

Josef Guggenmos  © J.G. Erben

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SZ – 30.08.1997

Titus Arnu

Schaut man genau, dann ist viel los

 

Volkacher Bote - Numero 79

Kurt Franz

„Gugummer ist über die Erde gegangen“

 

Allgäuer Zeitung – 14.10.2005

Im Gras ein Apfel

Stefan Dosch

 

 

 

 

Die Zeit – 1. August 1997

Manfred Sack

Aber ja nicht weitersagen!

Guggenmos, Josef – Gruß an einen Kinderdichter

 

Heute reiß ich Bäume aus!

So war mir zumute heut morgen.

Das legt sich. Und um die Bäume

mach dir weiter keine Sorgen.

 

Wer das schrieb: Klapoltrian, Mixmogel? Spingkinkel? Schneepudel? Fiftifeif? Guggenmos. Josef Guggenmos ist sein Name, er hätte ihn wie die anderen auch selber erfinden können.

Sein Verleger Hans-Joachim Gelberg vermutet, dass es unterdessen an die hundert Bücher seien, die der stille Herr im Allgäu – nach Krieg, Studium, einem Wanderjahr – bisher geschrieben hat. Meist sind es schmale Bände, selten über zweihundert Seiten lang wie „Oh, Verzeihung, sagte die Ameise“ von 1990. Das Buch enthält, reizend illustriert von Nikolaus Heidelbach, einen charakteristischen Guggenmos-Schatz an Gedichten und Geschichten, die meist Märchen, manchmal Lügen, manchmal Träume sind. Kein Wunder, aber reichlich spät, dass er 1993 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wurde.

„Es war einmal ein Prinz …Ihr glaubt mir doch hoffentlich? Oder ?“ Nun ja, im nächsten Satz ist der Prinz ein König, jetzt schon ein Kaiser in offenen Sandalen, und was dann geschieht, stammt von keinem geschwätzigen Erzähler, sondern einem, der die Phantasie lieber mit karger Kost füttert, um sie gierig zu machen, um die Assoziationslust zu reizen.

      Man erfährt bei ihm tröstliche oder listige Ereignisse, sprachliche Gedankenspielereien, schlau verborgene Lebensweisheiten. Josef Guggenmos ist, wie man schnell heraushat, ein kluger Beobachter, ein Lebens erfahrener Erzähler, ein aphoristischer Schalk, ein mit Kindern heimlich verschworener Erzieher, dem der Triumph des Kleinen über das Große lieber ist, als umgekehrt. Muss man noch sagen, dass er ein Poet der Wörter wie der Bilder ist? Was für einer er ist? „So einer“ schrieb er, „bin ich“, nämlich:

 

Ich schrie: Platz da! Verzieh dich!

Ich blieb vergnügt und stumm.

Ein Baum stand mir im Weg.

Ich ging um ihn herum.

 

 

 

 

 

SZ – 30.08.1997

Titus Arnu

Schaut man genau, dann ist viel los

Alle Kinder kennen die Gedichte des Josef Guggenmos

 

„In was bisch denn neidappt?“ rief der Nachbarsbub über die Hecke. Josef Guggenmos hielt sich den einen Fuß und stand auf dem anderen wie ein Storch im Garten. Sein Gesicht war schmerzverzerrt, und vor lauter Aua-sagen kam er nicht gleich dazu, dem Kind zu antworten.

      Die ausführliche Antwort lieferte Guggenmos später nach, und zwar in Reimform. Gestern, als ich barfuss ging (ich erinnre mich genau) rief ich plötzlich laut ein Wörtlein, das berühmte Wörtlein “Au!“ „Au!“ Ich riefs aus ganzem Herzen. Mir war klar mit einem Schlag, dass ich auf eine Biene trat, was solch ein Tierlein gar nicht mag).

Er gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern und Kinderbuchautoren des Jahrhunderts. Wie Bert Brecht und Erich Kästner zählt er schon zu Lebzeiten zu den Klassikern der Jugendliteratur. Die Encyclopaedia Britannica stellt Guggenmos gar in eine Reihe mit E.T.A. Hoffmann, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz. Kein anderes Land, lobt die Encyclopaedia Britannica, habe so exzellente Verse auf dem schwierigen Gebiet der Kinderlyrik hervorgebracht wie Deutschland, und „besonders Josef Guggenmos mit seiner lyrischen Klarheit“ und seinen „originellen Arbeiten“ erinnere an William Blake, den britischen Top-Poeten des beginnenden 19. Jahrhunderts. Blake gilt mit seiner mythologisch-phantastischen Lyrik als ein Ahnherr des Jugendstils. Guggenmos wird mit Ringelnatz und Morgenstern verglichen, mit Jugendbuchpreisen überhäuft und zu Geburtstagen von Verlegern hymnisch gewürdigt. Ihm selbst schein die Bedeutung seiner Werke nicht so wichtig zu sein. Auf die Frage, ob er seine eigene Lyrik mit der von Morgenstern für vergleichbar hält (ein Dichter, den er übrigens vorbehaltlos bewundert), antwortet er: „Das sollen andere beurteilen.“

Bei einem Spaziergang durch Irsee …Vom früheren Pfarrer der Gemeinde erzählt Guggenmos, er habe den Schulkindern früher „immer alles brühwarm erzählt“. So bekam der Pfarrer einmal vom Ordinariat in Augsburg einen Brief, der an das Pfarramt von „Irrsee“ adressiert war. Das ärgerte den Pfarrer besonders, weil das ehemalige Kloster gerade als „Irrenanstalt“ diente, wie es damals hieß. Der Pfarrer schlug zurück und schickte einen Brief nach Augsburg, an das „Ordinarriat“.

Diesem humorbegabten Pfarrer, der ihn in der Dorfschule unterrichtete, hat Guggenmos viel zu verdanken. Der Gottesmann interessierte den jungen Guggenmos früh für Kunst, Literatur und Musik.

 

 

 

 

 

Volkacher Bote - Numero 79

Kurt Franz

„Gugummer ist über die Erde gegangen“

Zum Tode von Josef Guggenmos

 

Im September dieses Jahres, kurz nach seinem 81. Geburtstag, ist Josef Guggenmos in seinem Heimatort Irsee im Allgäu gestorben. So still wie er gelebt hat, ist er auch gegangen. Aufsehen zu erregen war – auch wenn er dies seiner literarischen Figur Gugummer in Maßen zugestanden hat – nicht seine Sache, und doch kennt heute fast jedes Kind im deutschsprachigen Raum seinen Namen. Dies ist umso bemerkenswerter, da es in der Schule nicht selbstverständlich ist, dem Verfasser von Literatur die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wie seinem Werk. Jedoch hat Josef Guggenmos inzwischen eine solche Präsenz im literarischen Kanon und einen solchen Grad an Beliebtheit in Kindergarten und Grundschulen, dass auch sein Name zum allgemeinen Wissensbesitz gehört und zum Inbegriff für Kinderlyrik schlechthin steht.

Kinder- und Jugendliteratur wird zunehmend größere Anerkennung zuteil, wozu nicht zuletzt Josef Guggenmos selbst seinen Beitrag geleistet hat. Sein Werk hat breiteste Anerkennung gefunden und befindet sich auf einem Höhepunkt im Bewusstsein seiner kleinen und großen Leser:

 

„Nun läuft die Welt, wie sie laufen soll,

nicht erschreckt sie Gugummer, der Arge,

so denkt er, reglos ausgestreckt,

und lächelt in seinem Sarge.“

 

Nicht nur die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur wird dem großen „Meister der kleinen Form“ ein ehrendes Andenken bewahren.

 

 

 

 

 

Allgäuer Zeitung – 14.10.2005

Stefan Dosch

Im Gras ein Apfel

Rundes Schweigen

Haiku von Josef Guggenmos erstmals in größerer Auswahl


Guggenmos … beschäftigte sich mit dem Schreiben von Haiku hauptsächlich in zwei Perioden. Um die Jahreswende 1981/82 verfasste er 80 Gedichte. Erneut intensiv wandte er sich zwischen 1999 und 2009 dem Haiku zu, 250 Gedichte entstanden in dieser Zeit. Insgesamt sind 345 Haiku des Schriftstellers überliefert.

      Guggenmos war prädestiniert für diese literarische Kleinform. Das japanische Haiku kreist thematisch um die Natur und darin traf diese Lyrik zusammen mit der großen Naturbegeisterung des Irseer Autors. Dessen Haiku waren, wie es im kenntnisreichen Nachwort der Herausgeber Stefan Wolfschütz und Andreas Wittbrodt heißt, „meist Mitbringsel von Streifzügen durch die Wälder um Irsee“. Das Haiku entsprach der Wesensart des Schriftstellers: still verweilend, mit jeglicher Zeit zum Lauschen und Beobachten. Solche Haltung der Natur gegenüber fand ihren Ausdruck in Versen wie diesen:

Im Gras ein Apfel

rundes Schweigen, hingelegt

an den Rand der Welt.

      Schlicht und streng ist die Form des Haiku. In der Abfolge 5-7-5 reihen sich 17 Silben aneinander, eine Beschränkung unter der sich in den Händen eines Josef Guggenmos ein reicher Fächer zu entfalten vermochte, wie der Autor selbst fand:

Aus siebzehn Silben

winzig Erbautes, du mein

Alles, Hütte, Dom.

Aus der Könnerschaft, mit der Guggenmos seine Haiku schliff, sticht insbesondere die Klanglichkeit hervor. Bis auf die Buchstaben hin sind Rhythmus und Melodie der Sprache bedacht, sind Betonungen und Pausen gesetzt. Mit diesen Mitteln, und das macht die Qualität der Gedichte aus, formt Guggenmos aber nicht nur meisterliche akustische Gebilde; vielmehr schafft er damit auch jene inhaltlich-situative Prägnanz, die erst zum Gelingen eines Haiku beiträgt:

Libelle, jäh da,

blank, schlank, kurz still vor mir, jäh

aus meinem Leben.

In Josef Guggenmos’ spätem Schaffen nahm das Haiku einen zentralen Stellenwert ein. So sehr fühlte der Schriftsteller sich diesem „winzigen Erbauten“ verbunden, dass er, schon einige Zeit vor seinem Tod, auch jenen Dreizeiler verfasste, der nun auf seinem Grabstein steht:

Immerzu geh, am

End steht er da, wartend, alt,

gütig und wissend.

 

. Josef Guggenmos: „Rundes Schweigen. Ausgewählte Haiku 1982 – 2002“; Hamburger Haiku Verlag