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Josef Guggenmos

 

"Das Kind ist die Fülle der Zukunft"

 

Foto und © Dieter Schmidt

 


Ein Dichter der für Kinder schreibt 2*

 

"Wenn es regnet, meint man, er brächte es fertig,

sich trockenen Fußes zwischen den Regentropfen hindurchzuschlängeln." 3*

 

Bildbeschreibung
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Josef Guggenmos wurde am 2. Juli 1922 in seinem Elternhaus in Irsee, im schwäbischen Allgäu, als ältestes von drei Kindern geboren. Sein Vater war Pfleger in der Heil- und Pflegeanstalt im ehemaligen Benediktinerkloster Irsee, die Mutter Schneiderin. Während der Volksschulzeit förderte ihn der kunstsinnige und humorvolle Dorfpfarrer Richard Wiebel. Ihm ist es mitzuverdanken, dass er das Humanistische Gymnasium in St. Ottilien am Ammersee (1933- 1939) als Interner besuchen durfte, zunächst mit Gedanken Pfarrer zu werden bzw. dann, wie manche der dortigen Bene- diktinermönche, Missionar. Dazu kam es zwar nicht, aber die „Begegnung mit der lateinischen Welt“ hatte einen starken Eindruck hinterlassen und seine Liebe zu Kunst und Literatur geweckt. Als siebzehnjähriger schrieb er hier im Deutschunterricht sein erstes Herbst-Gedicht.

 

Das Abitur wurde ihm 1942 zuerkannt.

 

1941 zog man ihn zur Wehrmacht ein. Nach einer Ausbildung zum Funkabhörer wurde er in Nikolajew (Ukraine) und in Reval stationiert. Sowohl am Schwarzen Meer wie auch in Reval interessierte er sich für die Sprache und die Kultur des Landes. In Reval veröffentlichte er zusammen mit seinem Vorgesetzten Helmut Schrey Gedichte in der dortigen Zeitung, er besuchte Veran- staltungen im Estonia-Theater, der estnischen Oper, bis er dessen Zerstörung durch einen Bombenangriff miterleben musste.

1945 während seines Marschbefehls nach Oslo (einem weiteren Ort für die Funkabwehr) kam er bei Kriegsende in Dänemark für ein paar Wochen in englische Kriegsgefangenschaft.

 

Ab Herbst 1945 bis 1953 studierte er mit Unterbrechungen zuerst für ein Semester an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen, dann an den Universitäten Marburg, Erlangen und Bonn Germanistik, Kunstgeschichte, Archäologie und Indiologie ohne Abschluss. „Es hatte sich herausgestellt, dass ich etwas Eigen- ständiges machen wollte.“

Ein Vierteljahr, von November 1948 bis Februar 1949, verbrachte der Student in Augsburg und Donauwörth, um Geld zu verdienen. Während seiner Tätigkeit beim Auer-Verlag lernte er Therese Wild  kennen. Zehn Jahre später wurde sie seine Frau.


1951/52 verbrachte er ein Jahr in Finnland am Saimaa-See, wo er in einer Gärtnerei und als Fabrikarbeiter in einer Zellulosefabrik sein Geld verdiente.

 

Danach wohnte er an wechselnden Orten, in Stuttgart, Verden (Aller), Donauwörth, Wien und Salzburg, dort Wand an Wand mit dem einzigen anderen Untermieter, dem österreichischen Schrift- steller Thomas Bernhard, und arbeitete als Lektor und Übersetzer (aus dem Englischen und Finnischen) für verschiedene Verlage.

 

1959 heiratete er Therese Wild und ließ sich in seinem Geburtshaus in Irsee nieder. Dort lebte er mit ihr und seinen drei Töchtern als freier Schriftsteller bis zu seinem Lebensende.

Dabei waren die ersten Jahre als freier Autor  nicht einfach, bis ihm mit dem Erscheinen des Buches "Was denkt die Maus am Donnerstag?“ der Durchbruch gelang und es ihm finanziell langsam besser ging. Beinahe jährlich erschienen neue Bücher.


Das Zimmer, in dem er geboren wurde, war sein Arbeitszimmer. Von dort aus konnte er auf die alten Obstbäume seines Gartens schauen und zum nahe gelegenen Wald. Von seinen Spaziergängen brachte er auch immer wieder Dinge aus der Natur mit, die er an Hand seiner Bücher bestimmte und auf seinen Karteikarten beschrieb.

Als Kunstinteressierter war er oft in der Umgebung zusammen mit seiner Frau unterwegs und konnte sich an geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Anekdoten erfreuen.

Er unternahm verschiedene Reisen unter anderem nach Italien, Frankreich, Namibia und Arizona. Im deutschsprachigen Raum hielt er zahlreiche Lesungen vor allem an Schulen. Zu seinem 80. Geburtstag wurde er zum ersten Ehrenbürger seines Heimatortes ernannt. Er starb am 25. September 2003 an einem Donnerstag.



 Auf seinem Grabstein steht ein Haiku des Dichters:

 

Immerzu geh, am

End steht er da, wartend, alt

gütig und wissend.

 

 

 

Bildbeschreibung

2* Hans-Joachim Gelberg: Ein Dichter, der für Kinder schreibt. Sonderdruck zu Ehren des 70. Geburtstages von Josef Guggenmos. Beltz & Gelberg-Verlag 1992, Titel

3* Doris Mühringer: aus Hans-Joachim Gelberg: Ein Dichter, der für Kinder schreibt. Sonderdruck zu Ehren des 70. Geburtstages von Josef Guggenmos. Beltz & Gelberg-Verlag 1992, S. 9