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Josef Guggenmos

 

"Das Kind ist die Fülle der Zukunft"

 

Foto und © Dieter Schmidt


Bildbeschreibung

Eva Johanna Rubin - © Carola Pohlmann



Warum die Enten breite Schnäbel haben


 

Wenn die Ixebixe nicht gewesen wäre, hätten die Enten noch ein Schnäblein, wie die Amsel so fein. Aber nein. Ixebixe konnte es nicht lassen. Ixebixe, die kecke, kleine Wassernixe mit dem Himmelfahrtsnäschen, Ixebixe im Ententeich.

Wie oft hatte Papa Bonifax, der Wassermann schon gequakst! Und heute quakste er wieder: „Ixebixe, mach dir aus dem grünen Schlingschlangdingsda mit den weißen Blumen eine schöne Kette! Oder spiel Fangen mit den netten, fetten Kulleraugenkarpfen. Aber zieh nicht wieder die Enten an den Zehen. Die Enten mögen das nicht. Und ihre Zehen sind schon ganz flach geworden.“

„Ich werde es gewiss nicht wieder tun!“ gickste Ixebixe.


Aber was war? Keine Woche verging. Keine sechs Tage vergingen. Fünf Tage vergehen. Da sieht Ixtebixe, wie sie unten im Wasser schwimmt und nach oben guckt, alle Enten des Ententeichs versammelt. Eine Ente hatte Geburtstag, und da waren alle anderen gekommen, um zur Feier des Tages ein gemütliches Schwätzchen zu halten. Da sitzen sie nun alle auf dem Wasser, plaudern und lassen die Beine nach unten baumeln. Und denken an nichts Arges.

Doch was tut Ixebixe, die kecke, kleine Wassernixe mit dem Himmelfahrtsnäschen? Sie schwimmt hinauf, heimlich und leise, und zieht geschwind die ahnungslosen Enten an den Zehen! Das war ein Ui! Das war eine Empörung! Die erste Ente rief: „Unglaublich! Mir fehlen die Worte!“ Die zweite rief „Diese Schlimme! Sie war’s wieder!“ Die dritte Ente rief: „Das sollst du, Ixebixe, büßen!“

Das riefen sie natürlich nicht schön der Reihe nach, sondern alle zugleich. Es hörte sich daher so an: „Unglaublich diese das mir Schlimme sollst fehlen sie du die war’s Ixebixe Worte wieder büßen!!!“

Aber es riefen ja nicht nur diese drei, sondern es riefen auch alle anderen Enten. Wie sich das Gezeter von allen zugleich anhörte, das freilich ist nicht zu beschreiben. Die erste Ente hatte behauptet, ihr fehlten die Worte. Das hatte sie nur so gesagt. In Wirklichkeit fehlten ihr die Worte ganz und gar nicht. Nein, ihr fiel in einem fort Neues über die kecke, kleine Ixebixe ein. Und auch alle anderen Enten hörten nicht auf, über Ixebixe zu schimpfen. Und sie schimpften so lange, bis sie alle ganz breite Schnäbel hatten.    

 

 



 

Illustration: Eva Johanna Rubin - © Illustration Carola Pohlmann

aus Warum die Käuze große Augen machen, Georg Bitter Verlag, Recklinghausen 1968