Preisträger

JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK

Foto von Michael Hammerschmid
Michael Hammerschmid,
Foto: © Barbara Schwarcz

Michael Hammerschmid

geboren 1972 in Salzburg, lebt als freier Autor und Vater zweier Töchter in Wien. Er unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst im Institut für Sprachkunst und an der Universität Wien im Bereich Germanistik, Schreiben, Poetik und Lyrik. Der Träger mehrerer Literaturpreise moderiert und kuratiert Lyrik-Festivals und beschäftigt sich unter anderem mit den Schnittpunkten von Literatur und Bildender Kunst.

Schlaraffenbauch

Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner.
Frankfurt am Main, Wien, Zürich 2018: Edition Büchergilde.
32 Seiten, 18,00 EUR.
ISBN 978-3-86406-092-2

Einer spannt den Bogen auf, beginnt mit „bitter weinst du“ und endet mit „was machen wir nun?“. Dazwischen findet eine feine Entwicklung statt, die der Beobachter wach registriert, vom Tränenstrom über das allmähliche Versiegen der Tränen, vom Überwältigtsein durch schwarze Gedanken über das Aufhellen des inneren Horizonts bis zur sanften Auflösung des Kummers. All das begleitet der Lyriker als Momentaufnahme, und das fragile Gleichgewicht zwischen dem Beobachter, dessen Worte zugleich beschreiben und trösten, und dem Bekümmerten setzt sich in vielen ähnlichen Konstellationen der 24 Gedichte dieses Bandes fort. Es sind Begegnungen, die zu Texten werden und solche wundervollen Zustandsbeschreibungen motivieren wie „ich muss viel / nichts tun, gut?“, die uns beschäftigen, weil sie sich nicht vollständig auflösen. Reime scheinen auf und verschwinden wieder, um wiederzukehren, wenn wir es nicht erwarten. Und so irrlichtern die Gedichte von Michael Hammerschmid in ihrer Form fröhlich zwischen den beiden Polen der Beckmesserei und der Willkür, ohne je einem von ihnen zu nahe zu kommen. Die Farbbilder von Rotraut Susanne Berner, die diese Gedichte in die von ihr herausgegebenen „Tollen Hefte“ aufgenommen hat, sind genauer Lektüre ebenso geschuldet wie dem Willen zur interpretatorischen Freiheit, zum Neuschaffen des Vorgefundenen. Entstanden ist ein funkelndes kleines Meisterwerk aus eigenem Recht.

Foto von Arne Rautenberg
Arne Rautenberg,
Foto: © Peter Hammer Verlag

Arne Rautenberg

kam 1967 in Kiel auf die Welt, wo er auch heute nach dem Studium der Kunstgeschichte, der Neueren Deutschen Literaturgeschichte und der Volkskunde als freier Schriftsteller und Künstler lebt. Er wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Seit 1995 veröffentlicht er meist Gedichtbände, zuletzt in diesem Jahr die Gruselgedichte mit dem Titel unterm bett liegt ein skelett – wofür er jetzt mit dem JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK ausgezeichnet wird.

unterm bett liegt ein skelett

Gruselgedichte für mutige Kinder

Illustriert von Nadia Budde.
Wuppertal: Peter Hammer 2016.
48 Seiten, 13,90 EUR.
ISBN 978-3-7795-0551-8

Dieser Dichter nimmt die Sache so ernst, dass ihm Leichtigkeit gelingt. Bei „zombies in kombis“ mag mancher zunächst an einen herbeigezwungenen Reim denken – doch halt, haben wir nicht auch schon solche Gestalten gesehen, die vor dem Supermarkt parken? Das Gruselige hat seinen Platz in dieser Welt, drum ist der „kein guter mann, der umkehrzauber zaubern kann“. Er macht nämlich „aus den klappernden skeletten – muskelmänner in ketten“. Nein, in der Fantasie, im Dunkeln, in der Nacht darf es so gruselig sein, wie es nur geht, nur in der Wirklichkeit wollen wir das Helle sehen. Souverän setzt Rautenberg den Endreim ein, aber natürlich kann er auch anders:

was macht der maulwurf auf dem friedhof?
buddeln buddeln buddeln

Wenn Wortwiederholung und Reim zusammenkommen, wirkt das wie eine mit kühnem Strich gesetzte Zeichnung:

zombie-baby brabbelt
zombie-baby sabbelt
zombie-baby
zombie-baby
zombie-baby krabbelt

Seine Formen wählt er abwechslungsreich, dabei immer treffsicher, zu tiefem Humor ebenso wie zu tiefem Sinn fähig. Kinder amüsieren sich an dem Grusel, weil sie spüren und wissen, dass er inszeniert und nicht wirklich ist – wie bei einer Geisterbahn. Die zweifarbigen Zeichnungen von Nadia Budde würzen den gewitzten Witz.